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EPICONDYLITIS 

Die Epicondylitis wird auch Tennisellenbogen, Golferellenbogen, Epicondylopathia humeri radialis oder ulnaris genannt. Die Epicondylitis gehört zu den Insertionstendopathien; dies ist eine Erkrankung der Sehnen, Sehnenscheiden und Bänder. Die Epicondylitis gehört zu den Myotendinosen (Erkrankung der Einheit Muskel = Myo und Sehne = Tendo). Es handelt sich dabei um Erkrankungen der Sehnen und Bänder, wobei auch immer die Muskulatur, vor allem an ihren Ansätzen, beteiligt ist. Tendopathien können schmerzhafte Veränderungen an Sehnen am Ansatz oder Ursprung eines Muskels oder in Band- und Kapselansätzen fast überall im Körper hervorrufen.

Am Häufigsten ist die Epicondylitis, die gleichermaßen bei Männern als auch bei Frauen auftritt, vorwiegend im mittleren Lebensalter.  

Definition der Epicondylitis

Bei der Epicondylitis handelt es sich um ein Schmerzsyndrom im Bereich des Ursprungs der Hand- und Fingermuskulatur an den knöchernen Ansätzen des Oberarmknochens (Humerus).

Die Epicondylitis radialis humeri, auch Tennisellenbogen genannt, ist die häufigste Ansatztendinose der Unterarmstreckmuskulatur. Die Epicondylitis ulnaris humeri, auch Golferellenbogen genannt, tritt deutlich seltener auf.  

Ursachen der Epicondylitis

Obwohl die Epicondylitis Tennis- oder Golferellenbogen heißt - je nachdem, ob der äußere oder innere Ellenbogen betroffen ist - tritt sie doch nur verhältnismäßig selten bei Sportlern auf. Meist ist dann eine falsche Technik, insbesondere bei der Tennisrückhand oder beim Golfabschlag, die Ursache.  

Viel häufiger kommt die Epicondylitis bei chronischen mechanischen Überbeanspruchungen vor, hier besonders bei Handarbeitern und bei Sekretärinnen.

Bei der Epicondylitis kommt es zu schmerzhaften Verschleißerkrankungen im Ansatzbereich der Muskulatur. Hierbei ist die Streckmuskulatur weitaus häufiger betroffen als die Beugemuskulatur im Handgelenk. Die Epicondylitis tritt vorwiegend bei solchen Menschen auf, die berufsmäßig oder bei sportlicher Betätigung Überlastungen ausgesetzt sind. Hier sind  Handwerker, Mechaniker, Straßen- und Bauarbeiter sowie an letzter Stelle Golf- und Tennisspieler zu erwähnen. Oft tritt die Epicondylitis auch bei älteren Patienten auf, die bereits mehr oder weniger stark ausgeprägte degenerative (arthrotische) Veränderungen im Ellenbogengelenk haben.  

Diagnose der Epicondylitis

Wegen starken Schmerzen im Ellenbogenbereich, die besonders bei Handarbeiten auftreten, wird der Patient beim Arzt vorstellig. Die Schmerzen können so stark ausgeprägt sein, dass kaum noch leichtere Gegenstände angehoben werden können. Die Schmerzen strahlen oft in die Unterarmmuskulatur aus. 

Bei der klinischen Untersuchung der Epicondylitis ist ein starker Druck- und Berührungsschmerz auf den betreffenden Sehnenansätzen auszulösen. Schmerzbedingt findet sich eine Bewegungseinschränkung im Ellenbogengelenk, die aber verhältnismäßig selten durch degenerative Veränderungen ausgelöst wird.

Ihr Arzt wird die sogenannten Widerstands-Teste ausführen. Der Patient wird aufgefordert eine Faust zu machen und nach oben oder unten zu drücken. Entsprechend der Schmerzsymptomatik bei Tennis- oder Golferellenbogen wird jeweils eine Schmerzverstärkung am Ellenbogengelenk auftreten. Oft sind die Muskeln des Unterarms stark verspannt. Häufig treten auch leichte Gefühlsstörungen auf, die aber meist nicht durch Veränderungen durch ein Zervikalsyndrom (HWS-Syndrom) oder lokale Nervenschäden hervorgerufen werden.

„Sonographisch“ – mit Ultraschall-Geräten – wird bei einigen Patienten eine Schwellung im Bereich der Sehnenansätze darzustellen sein.

Bei Röntgenuntersuchungen des Ellenbogengelenkes sind nur sehr selten krankhafte Veränderungen festzustellen. Sollte die Epicondylitis bereits in ein chronisches Stadium eingetreten sein, kann man auf dem Röntgenbild zuweilen Verkalkungsherde im Bereich der Sehnenansatzstellen oder kleine Periostunregelmäßigkeiten (Knochenhautunregelmäßigkeiten) sowie Knochenausziehungen erkennen.  

Therapie der Epicondylitis

Ihr Arzt wird zunächst versuchen, die Ursache der chronischen Überlastung mit Ihnen heraus zu finden.

Bei Sportlern ist es empfehlenswert, erneut Trainingsstunden beim Tennis- oder Golflehrer zu nehmen, um evtl. Fehler beim Spiel zu korrigieren.

Bei Handwerkern, Mechanikern, Straßenbauarbeitern sowie Personen, die an PC-Arbeitsplätzen oder Schreibmaschinen tätig sind, kommt eine genauere Überprüfung des Arbeitsplatzes in Frage. Dies sollte im Rahmen der Ergotherapie besprochen werden.  

Ergotherapie und Epicondylitis

An den heutigen Arbeitsplätzen findet man immer wieder zahllose Überlastungsmomente mit einseitigen Belastungen und monotonen Zwangshaltungen.

Die Ergotherapeuten können bei der Epicondylitis häufig eine deutliche Schmerzlinderung durch Änderung der Tastatur am PC erreichen. Hierbei wird besonders auf den Gelenkschutz geachtet. Schon eine ergonomisch gearbeitete Computermaus oder eine aufklappbare Tastatur kann die Epicondylitis deutlich lindern.

Bei Bauarbeitern, die z. B. häufig Schrauben eindrehen müssen, werden mechanische Hilfsmittel wie elektrische Schraubenzieher empfohlen.

Weitere therapeutische Möglichkeiten bei Epicondylitis

Eine Gipsruhigstellung wird nur noch selten durchgeführt, da hierdurch häufig zusätzliche Versteifungen im Bereich des Ellenbogen- und Handgelenkes auftreten und sich die Muskeln, Sehnen und Bänder weiter verkürzen.  

Selbständig können die Patienten sogenannte Querfriktionen an den Sehnenansätzen durchführen, dies wird durch die Krankengymnasten vorgeführt. Es werden hierbei quer zur Sehne Dehnungsreize gesetzt.

Bei leichteren Formen der Epicondylitis können auch Salbenumschläge helfen.  

Bei stärkeren Formen wird Ihr Arzt eine Spritzenbehandlung durchführen. Es werden hierbei häufig Lokalanästhetika eingesetzt. Dies sind Mittel, die den Schmerz betäuben. Während dieser Zeit können die Sehnen durch die Krankengymnastik oder auch selbständig gut gedehnt werden.

Bei einem chronischen Verlauf der Epicondylitis können auch Cortison-Präparate kurzfristig gute Behandlungserfolge erzielen. Zu häufig sollten diese Spritzen aber nicht eingesetzt werden, da Cortison über längere Zeit gegeben auch die Sehnen und Knochen schädigen kann.  

Physikalische Therapie bei Epicondylitis

Unterstützend wird z. B. der Softlaser eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Stoffwechselaktivierung und lokale Schmerzlinderung, die die verkürzten Sehnenansätze beruhigt und aufdehnt.  

Stärker wirksam sind Ultraschall-Behandlungen, wobei Wärme und Vibrationen in die Tiefe kommen. Die Vibrationen wirken wie eine Mikromassage. Bei der ersten und zweiten Anwendung können aber zunächst vermehrte Schmerzen auftreten.  

Sogenannte Iontophoresen (spezielle Elektrotherapie) können schmerzlindernde und reizmindernde Medikamente an den Sehnenansatz in die Tiefe bringen.  

Ebenso eingesetzt werden Kälte- oder auch Wärme-Anwendungen.  

Sporttherapie bei Epicondylitis

Oft ist nur eine kurzfristige Schonung notwendig. Zusammen mit Sportlehrern oder entsprechenden Trainern wird eine Trainingsberatung und eine Überprüfung des Sportgerätes bzw. der angewandten Technik notwendig.  

Nach Abklingen der Beschwerden bei Epicondylitis kann mit der Medizinischen Trainings-Therapie (MTT) die Muskulatur an speziellen Fitnessgeräten unter Aufsicht von geschulten Physiotherapeuten wieder aufgebaut werden. 

Zur Vermeidung von Rückfällen können oft auch orthopädie-technische Lösungen wie sogenannte Epicondylitis-Bandagen oder –Spangen eingesetzt werden. Diese Hilfsmittel sind aber nur zur Vorbeugung gedacht. Bei akuten Beschwerden sind Epicondylitis-Bandagen oder –Spangen nur wenig hilfreich.  

Technische Behandlungen bei chronischer Epicondylitis

Sollten die konservativen Maßnahmen, die Gabe von Medikamenten und lokale Spritzen nicht helfen, gibt es weitere Möglichkeiten, die Epicondylitis zu behandeln.

Hier sei zum Einen die Röntgenreizbestrahlung genannt. Hierbei werden spezielle Röntgenstrahlen nur auf den Ellenbogen gerichtet. Diese Behandlung wird in der Regel 3 bis 4 x durchgeführt. Die Strahlenbelastung ist geringer als bei einer Röntgenaufnahme des Ellenbogengelenkes in 2 Ebenen. Die Erfolgsaussichten der Röntgenreizbestrahlung bei Epicondylitis liegen bei ca. 80 bis 90 %.  

Extrakorporelle Stoßwellentherapie bei Epicondylitis

Bei der Stoßwellentherapie handelt es sich um ein spezielles Ultraschallgerät, ähnlich einem Nierensteinzertrümmerer. Bei dieser Therapie werden starke Ultraschall-Impulse auf die schmerzhaften Sehnenansätze bei Epicondylitis gerichtet. Die Erfolgsaussichten betragen ca.80%.
Zu erwähnen sind evtl. Komplikationen. Es können während der Behandlung vermehrte Schmerzen im Bereich der Epicondylen auftreten, ebenso kann es zu Verletzungen von kleinen Blutgefäßen (blauer Fleck) kommen.

Da die extrakorporelle Stoßwellentherapie nicht von allen Krankenkassen bezahlt wird, sollte zunächst mit dem behandelnden Orthopäden Rücksprache gehalten werden. Ggf. sollte vor der Behandlung eine Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse eingeholt werden.  

Weitere Therapien der Epicondylitis sind die Magnetfeldtherapie und die pulsierende Signaltherapie, wobei eindeutige positive Wirkungen wissenschaftlich bisher noch nicht ausreichend dargelegt wurden.  

Operative Behandlung der Epicondylitis

Sollten alle konservativen und apparativen Maßnahmen keine Besserung ergeben, sollte mit einem operativ tätigen Kollegen über einen Eingriff nachgedacht werden.

Hierbei wird am häufigsten die sogenannte Operation nach Hohmann und Wilhelm eingesetzt. Die Operation kann ambulant durchgeführt werden. Unter lokaler Betäubung wird die Muskulatur am Epicondylus (Ansatz der Sehnen) eingekerbt und evtl. gleichzeitig eine Denervierung (Durchtrennung der Schmerzfasern) durchgeführt.

Die Arbeitsunfähigkeit nach der Operation beträgt ca. 1 bis 2 Wochen. 

Als Patient sollte man sich durch die operativ tätigen Kollegen eingehend über das Verfahren sowie über evtl. Komplikationen informieren lassen. 

Sollten noch Restbeschwerden bestehen, kann die Akupunktur bei Epicondylitis in vielen Fällen eine weitere Schmerzlinderung erreichen.  

Psychische Ursachen der Epicondylitis

In selten Fällen kommt eine Epicondylitis auch bei psychischen Ursachen vor. Mobbing am Arbeitsplatz begünstigt die Entstehung.

Sollten psychische Ursachen einer Epicondylitis bestehen, können im Rahmen einer Psychotherapie oder Verhaltenstherapie seelische Beeinträchtigungen, körperliche und geistige Probleme aufgearbeitet werden und positive, die eigene Persönlichkeit fördernde Sicht- und Verhaltensweise sowie Körperhaltungen erarbeitet werden.

Zum Einsatz kommen in der Klinik am Homberg Entspannungsmethoden wie das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, die Eutonie, die Stressbewältigung sowie psychologische Einzelgespräche.

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Übersicht einen Einblick in die vielfältigen Methoden der Behandlung einer Epicondylitis gegeben zu haben.  

Ihr Team von der Klinik am Homberg

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Aktualisiert: Juli 2010

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