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Morbus Schlatter
 

Definition des Morbus Schlatter:

Es handelt sich bei Morbus Schlatter um eine relativ häufige Erkrankung des jugendlichen bis (prä-) pubertären Alters, bei der eine Osteochondrose (aseptische Nekrose) des knorpeligen Kernes der Schienbeinrauhigkeit (=Tuberositas tibiae) vorliegt.
Dadurch kommt es letztlich zu einer Verzögerung der Verknöcherung des knorpeligen Wachstumskernes, so dass eine Verschmelzung mit dem umliegenden Schienbeinknochen unterbleibt und Teile der Schienbeinrauhigkeit deutlich hervorstehen, sich evtl. sogar frei bewegen können. 

Ursache des Morbus Schlatter:

Auslösendes Moment ist meist eine verstärkte Zugbelastung des Kniescheibenbandes (=Ligamentum patellae) z. B. bei Sport, somit auch ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Belastbarkeit des knorpeligen Wachstumskernes der Schienbeinrauhigkeit.

Es erklärt sich daher von selbst, dass die Problematik insbesondere bei leistungsmäßiger Überbeanspruchung der Kniegelenke, wie auch während des präpubertären Wachstumsschubes am häufigsten gesehen wird und dann einen typischen stadienhaften Verlauf zeigt. 

Entscheidender Fakt bei Morbus Schlatter ist das Zusammentreffen von gering belastbarem Knorpelgewebe im Bereich der Schienbeinrauhigkeit mit einer verstärkten Zugbelastung durch das Kniescheibenband.

Somit wird die Verknöcherung des Knorpelkernes und Verschmelzung mit dem umliegenden Schienbeinknochen gestört  und somit die Struktur geschwächt.
Das führt wiederum zu einer verstärkten Belastung der Stellen, wo die einstrahlenden Sehnenfasern des Kniescheibenbandes in das teils noch nicht fest knöchern organisierte oder verschmolzene Knorpelgewebe der Schienbeinrauhigkeit einstrahlen.

In minderen Fällen des Morbus Schlatter kommt es hier nur zu teils aus dem Verbund ausgelösten Knorpelteilen, die schließlich vorstehend verknöchern, im schlimmeren Fall können auch kleinere Areale, die schließlich durch die verstärkte Belastung absterben können, sich aus dem Gewebeverbund herauslösen und schließlich als freie tastbare Knöchelchen unter dem Kniescheibenband liegen bleiben, dort für Belastungsintoleranz und Schmerzen durch lokale Reizung sorgen. 

Symptomatik des Morbus Schlatter:

Die Erkrankung befällt bevorzugt 10- bis 14-Jährige, meistens sportlich sehr aktive Jungen.
Im Frühstadium fällt die Erkrankung durch belastungsabhängige Schmerzen an der Schienbeinrauhigkeit auf. Besonders kräftig ausgeprägt ist der lokale Druckschmerz. Es kann bei Morbus Schlatter auch zu erheblichen, schmerzhaften Schwellungen mit Schmerzverstärkung bei Strecken des Kniegelenkes gegen Widerstand, also zunehmender Zugbelastung über das Kniescheibenband kommen.

Bei weiterem Fortschreiten der Veränderungen fallen schließlich auch immer mehr Vorwölbungen im Bereich der Schienbeinrauhigkeit auf, die teils auch frei verschieblich sein können. Neben diskretem Ruheschmerz fällt der verstärkte Belastungsschmerz, insbesondere beim Treppensteigen, in Sprungdisziplinen oder beim Fußball auf.

Diagnose des Morbus Schlatter:

Neben dem klaren Hinweis durch Belastungsabhängigkeit, Lokalität erbringt das durchgeführte seitliche Röntgenbild des Kniegelenkes richtungsweisend den Befund und zeigt die aufgelockerte Struktur oder Verschmelzungsstörung des Schienbeinrauhigkeitskernes mit dem umliegenden knöchernen Gewebe. 

Therapie des Morbus Schlatter:

Wie aus den oberen Erklärungen bereits herzuleiten, liegt das Grundproblem bei Morbus Schlatter in der durch zu starke Belastung gestörten Verschmelzungs- und Verknöcherungstendenz des knorpeligen Schienbeinrauhigkeitskernes. Insofern besteht die Therapie im Frühstadium in einer relativen Entlastung des befallenen Kniegelenkes z. B. durch Schulsportbefreiung, bei fortgeschrittenen, schwergradigeren Veränderungen kommt jedoch auch die Ruhigstellung in einem Gipsverband, evtl. völlige Entlastung mit Gehstützen in Frage. Unterstützt werden kann dies durch lokale antientzündliche Salbenanwendungen.

Gegebenenfalls kann auch durch einen sogenannten Negativabsatz der Schuhsohle zur Entlastung beigetragen werden.

Operative Therapie des Morbus Schlatter:

Da die Erkrankung meist völlig problemlos unter Belastungskarenz ausheilt, ist nur selten nach Wachstumsabschluss die operative Abtragung evtl. schmerzhaft verbliebener knöcherner Vorsprünge oder Entfernung freier Knochenkörper erforderlich. Operationen während des Wachstumsalters sind bei Morbus Schlatter absolut kontraindiziert.  

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen einen klärenden Einblick in das Krankheitsbild gegeben zu haben. 

Dr. med. R. Wieczorek
Arzt für Orthopädie
Physikalische Therapie

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juli 2010

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